
Beim Nitrieren handelt es sich um einen thermochemischen
Prozess bei relativ niedrigen Temperaturen (400 - 600°C).
Dabei dringt
Stickstoff in die Werkstückoberfläche ein (diffundiert), verbindet sich
mit dem Grundwerkstoff, und bildet das Nitrid. Das Nitrid ist nach der
Bildung hart und es bedarf keines Abschreckvorgangs. Durch die niedrigen
Temperaturen und durch langsames Aufheizen bzw. Abkühlen ist dies ein sehr
verzugsarmes Verfahren. Im Regelfall können Bauteile nach ihrer Fertigstellung
nitriert werden. Maßänderungsfreies Nitrieren ist nicht möglich, da die
für den Verschleißschutz wichtige Verbindungszone ungefähr 0,01 mm pro
Fläche aufwächst. Dies kann allerdings beim Weichbearbeiten berücksichtigt
werden. Die erzielbaren Oberflächenhärten hängen ausschließlich vom Vormaterial
ab. Legierungselemente sind Nitridbildner. z.B.: C 45 - 400 HV; 1.7225
- 700 HV; 1.8550 über 1000 HV
Wichtig: Die Härte wird in Vickers gemessen. Härteprüfverfahren wie Rockwell
würden die Nitrierschicht durchdrücken.
Diese Tatsache weist eindeutig darauf hin,
dass zwar das Verschleißverhalten von Nitrierschichten optimal ist, die
Druckbelastung allerdings ihre Grenzen hat. Ein immerwiederkehrendes Problem
ist auch der unerwünschte Verzug nach der Nitrierbehandlung. Der GRUND
dafür: Keine Spannungsarmglühbehandlung!!!!!
Da Nitrier- bzw. Glühtemperatur beinahe identisch sind, kommen Bearbeitungsspannungen
dann beim Nitrieren heraus. Also muss vor der Fertigstellung des Werkstückes
spannungsarmgeglüht werden.
Der Stickstoff hat für den Prozess sehr wichtige
und positive Eigenschaften. Leider hat er auch eine versprödende Wirkung.
Dies kann speziell im Kantenbereich zu Problemen (Abplatzungen) führen.
Darum sollte immer von unserem Fachpersonal vor dem Fertigungsbeginn
des Bauteils eine Fachberatung über Material, Verfahren, Tiefen, Kantenbelastungen
etc. eingeholt werden.
GASNITRIEREN
Ofengröße: Ø 900 x 2000 mm